Linux Mint im Praxistext | Tice' Weblog - Daily junk for friends

Linux Mint im Praxistext

Mittwoch, 23. Januar 2019


Nach nun einigen Wochen mit Linux Mint (erste Screenshots und Eindrücke hier), nun mein erstes Fazit zum Praxistest. Insgesamt erscheint Linux Mint als stabiles System. Totalausfälle, Programme die das System mitreisen oder einfrieren gab es keine.

Die Einrichtung des Druckers/Scanners per WLAN war etwas hakelig (s. Bilder), noch kniffliger erwies sich das Brennen einer Audio-CD aus MP3 Dateien. Was man als Mac-Nutzerfkri gewohnt ist kann unter Linux oft zu einer Herausforderung werden. Ist die Lösung aber erst einmal gefunden, kommt zum (früher auch mal unter Mac-Nutzern bekannten) Gefühl von eingeschworener Gemeinschaft das von "einfach anders und frei vom vorgefertigten Weg".


Zunächst das Negative

Konnte man unter Ubuntu mit den Tweak Tools noch die cmd und ctrl-Taste tauschen, gelang das unter Linux Mint leider nicht. Für Mac-Nutzer eine permanente Herausvorderung darauf zu achten die ctrl statt der cmd-Taste zu benutzen.

Ein weiteres echtes Manko ist das Dock bzw. die Startleiste mit den Icons/Startern. Diese lassen sich nur „per Zufall“ verschieben. Icons die man verschieben will, landen nur mit Glück an der gewünschten Stelle, bewegen sich oft gar nicht oder landen an einer komplett anderen Stelle, was eine thematische Sortierung ausschließt. Da das Dock zu den ständig benutzten Elementen gehört, sehr ärgerlich.

Docky zur Rettung! (die Startleiste z.B. dann rechts ausblenden)

Zum Glück gibt es ein kleines Programm namens Docky (findet man in der, dem Appstore entsprechenden, Anwendungsverwaltung), welches ein brauchbares Dock an den Bildschirmrand zaubert und sich bequem konfigurieren lässt.

Linux_Mint_Docky

Linux Mint Docky 2


Einrichtungen

Adressen, Kalender, Mail
Inzwischen ist Thunderbird der Nabel der Kommunikation. E-mail, Adressbuch und Kalender (Addon Lightning seit Version 38) finden sich in einem miteinander kommunizierenden Programm. Kalender-Import und Export (.ics-Datei) sind ebenso wie Im- und Export von Adressen (.vcf-Datei) problemlos möglich.

Kalender-Import in drei Schritten:
  1. Neuen Kalender anlegen (in diesen wird importiert)
  2. Importdatei auswählen (Menü rechts)
  3. Importieren (Das ausführende Skript kann je nach Kalendergröße etwas Zeit brauchen)


Linux_Mint_Thunderbird_Kalenderimport_1

Linux_Mint_Thunderbird_Kalenderimport_2

Linux_Mint_Thunderbird_Kalenderimport_3

Eine sehr gute Alternative zu Thunderbird ist Evolution. Das Programm vereint ebenfalls E-mail, Adressbuch und Kalender. Allerdings scheint die Exportfunktion beim Kalender nicht mehr zu existieren. Man kann zwar alles als Evolution-Daten sichern, nur ist man dann eingeschlossen in das Ökosystem dieses Programmes. Das Adressbuch lässt sich als .vcf im- und exportieren. Beim Mailprogramm stellte sich nach einigen Wochen ein Problem ein (Mails waren ausgegraut und nicht mehr auswählbar). An sich ein übersichtliches Programm, aber nicht vorbehaltlos zu empfehlen.


HP Envy 4520 Drucker im WLAN installieren
Unter Systemeinstellungen - Drucker – Gerät hinzufügen bzw. unter neuem Drucker – Adresse eingeben: ipp://192,168.1.5 (steht in den Infos des Druckers)

Linux_Mint_Drucker_WLAN_Einrichtung

Evtl. muss noch die aktuelle HPLIP von HP runterladen (die oben beschriebene Option hatte ich erst nachträglich entdeckt).
https://developers.hp.com/hp-linux-imaging-and-printing
https://developers.hp.com/hp-linux-imaging-and-printing/gethplip

In diesem Fall die .run-Datei dann ausführen.
Für den Pfad die Datei einfach ins Terminalfenster ziehen:
chmod 755 xxxxxx.run [Enter]
xxxxxx.run [Enter]


Audio CD brennen mit Xfburn
K3b meldete Rechteprobleme mit dem angeschlossenen Brenner, Brasero startete gar nicht erst den Brennprozess. Kfburn findet man in der Anwendungsverwaltung.

Um MP3s zu brennen müssen diese erst mit Winff in WAV umgewandelt werden. Dazu im Terminal folgendes eingeben:

sudo apt-get install winff [Enter] und Eingabe des Benutzerpasswortes.

Winff [Enter]

Dort unter Konvertieren: Audio und als Profil: WAV for CD einstellen

Linux Mint Winff

Positiv zu nennen: MP3-Dateien lassen sich dabei aus dem iTunes-ähnlichen Programm Rhythmbox ausgewählt einfach in Winff reinziehen. Nach Änderungsdatum sortiert können die Dateien anschließend in das Brennprogrammfenster gezogen werden.


Grafikprogramm Krita 4.0.1

Zugegeben der Klassiker GIMP hat mir nie gefallen. Die Bedienoberfläche hatte immer etwas unelegantes. Fenster mit quer-Scrollbalken, keine Standard-Cursorauswahl mit Pfeil, und viele kleine Details die mir nicht zusagten ...

Doch dann entdeckte ich Krita. Das Open Source Programm macht einen aufgeräumten und doch umfangreichen Eindruck. Eine gute Dokumentation gibt es ebenfalls.

Linux Mint Krita Grafikprogramm

Nach 20 Jahren Photoshop muss man natürlich zunächst die eine oder andere Funktion suchen (hier einige Krita Kurzbefehle und Infos), aber mein erster Eindruck ist nicht enttäuscht worden. Lediglich das Textwerkzeug hat seine Schwächen wenn es um das Einfärben von Passagen geht. JPGs kann man ohne Metadaten abspeichern (kleinere Dateien fürs Web), Ebenen lassen sich anlegen und Dateien als PSD speichern.

Bemerkenswert ist auch, dass Krita (anders als Photoshop) von Haus aus im WebP Format speichern kann.

Wer Krita einmal in Aktion sehen möchte kann sich die Tutorials von Drawtut ansehen.


Aufräumen nach der Installation

Die einfachste Methode um nach der Installation und Einrichtung der Programme und Treiber aufzuräumen ist per Terminal:

Pakete entfernen die nicht vollständig installiert wurden:

$ sudo apt-get autoclean

Den Installationsspeicher (apt-cache) leeren:

$ sudo apt-get clean

Ungenutzte Software-Erweiterungen entfernen:

$ sudo apt-get autoremove


Fazit: Bisher hat sich für alles außer dem ctrl - cmd-Tastentausch eine Lösung gefunden. Zugegeben, Linux ist für den verwöhnten Mac-Nutzer gewöhnungsbedürftig. Für den erfahrenen Mac-Nutzer aber vertraut genug um in der immer anstrengender werdenden Monokultur mit ID-Gängelung, Cloud-Diensten und Update-Zwang eine ernste Alternative zu bieten. Ein bisschen "back to the roots" muss man dabei allerdings schon wollen.

Wer übrigens gerne Zeit und Datum gut im Blick hat, kann per Rechtsklick auf den Schreibtisch ein Desklet hinzufügen.

Linux Mint Desklets Zeit Datum Wetter

Auch das BBC Wetter Desklet ist eine nette Sache. Die Location-Nummer findet man in der Adresszeile nach der Ortssuche unter https://www.bbc.com/weather/2911298.









Kommentare (2)

Rene
24.01.2019, 03:40 Uhr

irgendwie habe ich das Gefühl, dass Linuxuser ständig auf der Suche nach der perfekten Distribution sind




***
24.01.2019, 07:24 Uhr

Haha, stimmt, das könnte fast sein. Wenn man sich die Distributionen einmal ansieht. Drei der Top 5 Distributionen habe ich nun durchgetestet. Allerdings habe ich festgestellt, dass sich diese eigentlich nur marginal im handling unterscheiden. Man kann bei allen sehr vieles anpassen, teils bereits über die Systemeinstellungen, wie es früher selbst beim Mac einmal war (ein kleiner Rest davon ist beim Mac unter Systemeinstellungen - Erscheinungsbild noch übrig). Wichtig finde ich Stabilität, das Vertrautwerden mit den alternativen Programmen (und vielen kleinen Ersatztools die man sich suchen muss).






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