Buchempfehlung: Richard Dawkins - Der Gotteswahn

Buchempfehlung: Richard Dawkins - Der Gotteswahn

Mittwoch, 26. Dezember 2007




Sehr zu empfehlen: Das Buch "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins das ich zur Zeit lese, und das wunderbar zusammenfasst was mir seit Langem ebenfalls ein Anliegen ist. Ein Appell an die menschliche Vernunft.
"Stellen wir uns doch mit John Lennon mal eine Welt vor, in der es keine Religion gibt – keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung von Juden als "Christusmörder", keine "Probleme" in Nordirland, keine "Ehrenmorde", keine pomadigen Fernsehevangelisten im Glitzeranzug, die leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen ("Gott will,dass ihr gebt,bis es wehtut"). Stellen wir uns vor: keine Zerstörung antiker Statuen durch die Taliban, keine öffentlichen Enthauptungen von Ketzern, keine Prügel auf weibliche Haut für das Verbrechen, zwei Zentimeter nackte Haut zu zeigen."
Ich weiß, noch hängt die rot-weiße Weihnachtsmütze auf dem Titel des Blogs, aber trotzdem (oder gerade deshalb?) ... Besinnliche Tage einmal etwas anders interpretiert.

Einige Auszüge kann man in diesem PDF nachlesen.

UPDATE: Einen interessanten Beitrag (auf Englisch) kann man bei TED Talks sehen. Ironischer Seitenhieb nach George Bush sen. Aussage "Atheisten können keine Patrioten sein" ist die 10 Pfund Geldnote (ten Pounds) im Vergleich zum Dollar.









Kommentare (21)
Tice

26.12.2007, 14:53 Uhr
Noch ein wunderbares Zitat: Dawkins zitiert selbst und erweitert gerne, so zum Beispiel den Astronomen Martin Rees, der sagt: "Die eigentliche Frage lautet: Warum gibt es überhaupt etwas? Was verleiht den physikalischen Gleichungen den Odem des Lebens und lässt sie zu einem tatsächlich existierenden Kosmos werden? Fragen wie diese liegen außerhalb der Naturwissenschaften, sie gehören in den Bereich der Philosophie und der Theologie."

Dawkins erweitert treffend: "Welche Fachkenntnisse, die ein Wissenschaftler nicht besitzt, können Theologen in die Untersuchung weit reichender kosmologischer Fragen einbringen?"




Timo

26.12.2007, 19:44 Uhr
Passend dazu:


(Hab die Rezension selber noch nicht gelesen)

Über den Wert der Theologie aus der Sicht eines Politikwissenschaftlers äußere ich mich jetzt nicht




ljack

26.12.2007, 21:46 Uhr
Nun, über Religion lässt sich sicher vortrefflich streiten, aber ich sehe das so:
Die Leute streiten sich nicht wegen den Religionen, die Religion ist nur ein Vorwand der macht- und geldgierigen Kriminellen, um ihre Gründe zu verschleiern. Und das geht besonders gut bei Menschen die nichts zu verlieren haben.
Die Religion kann also bestens missbraucht werden.
Sie kann aber auch eine große Stütze sein, die Verurteilung der Religion wegen dem, was manche Leute daraus machen halte ich für problematisch.




steff

26.12.2007, 23:26 Uhr
der dawkins ist in seinen ausführungen mindestens so intolerant wie er in seinem geschreibsel kritisiert...
fazit nach meiner lektüre: nicht die schwärze wert!

ernsthaftes nachdenken kann SO nicht hilfreich gefördert werden.




Yian

27.12.2007, 00:34 Uhr
Ein altes arabisches Zitat: "... es gibt vernünftige und religiöse Menschen ..." Sehr sympathische Buch-Empfehlung gerade zu einer Zeit der zunehmenden christlichen Gegentendenzen zum Islam-Wahn. Mich hat vor langer Zeit einmal sehr beeindruckt das Buch "Das Kreuz mit der Kirche"




Tice

27.12.2007, 00:43 Uhr
Es ist interessant wie sehr dieses Buch zu Diskussionen anzuregen scheint. Ich muss gestehen dass ich erst einige Kapitel - noch nicht das gesamte Buch - gelesen habe. Was ich aber bisher las spricht vieles von dem an, was ich mich selbst frage.

Ich habe - trotz einer moderaten christlichen Erziehung - bereits mit 13 Jahren trotz zu erwartender Geschenke die Konfirmation abgelehnt. Bis heute kann ich keinen Sinn in der Gottes-Hypothese finden.

Wohltätig sein kann man auch sehr gut ohne, viele Menschen und viele Organisationen zeigen das. Es mag für viele Menschen ein kindlicher Trost darin liegen an ein "Über-Elternteil" zu glauben, plausibler wird es dadurch für mich nicht.

Das Verschieben der scheinbaren Unerklärbarkeit des Seins (Universum) um eine Stufe nach oben (Schöpfer) und die Weigerung ebendiese Frage nach dem Woher dort nicht mehr zu stellen will mir einfach nicht einleuchten.

Vielmehr freue ich mich über die vielen Zitate und treffenden Fragen die in wenigen Worten genau diese Zweifel ausdrücken. Intoleranz habe ich in dem bisher gelesenen bei Dawkins eigentlich nicht gefunden. Dagegen habe ich Intoleranz und Unverständnis von "Gläubigen" in meinem Leben schon oft zu spüren bekommen.

Für mich ist die Herangehensweise an diese "Frage aller Fragen" schon generell falsch. Zu fragen "Warum sind wir? Warum ist etwas und nicht Nichts?" impliziert ein "Darum!" und das setzt ein Subjekt voraus das "Darum!" gesagt hat. Was ist, wenn es dieses Subjekt schlicht nicht gibt?




ljack

27.12.2007, 10:19 Uhr
Die Aussage: "... es gibt vernünftige und religiöse Menschen ..." zeugt von der gleichen Intoleranz, die der Kirche immer vorgeworfen wird. Egal wie man zur Kirche steht, so ein Satz untergräbt nur die Seriosität desjenigen, der ihn verwendet.

Wohltätigkeit ist eigentlich nur ein Nebenprodukt der Kirche, grundsätzlich geht es um die Gemeinschaft basierend auf ähnlichen Einstellungen zum Leben. Und gerade diese Gemeinschaft ist wichtig, denn die großen Probleme und Konflikte entstehen erst, wenn der Zusammenhalt verloren geht.
Ich habe Gott noch nie als "Über-Elternteil" gesehen, wozu auch, ich bin erwachsen. Ich treffe meine Entscheidungen selbst, das muss mir niemand sagen. Was du mit dem "kindlichen Trost" meinst, verstehe ich allerdings nicht ganz.
Übrigens wäre ich als gläubiger Christ noch nie auf die Idee gekommen, den Kreationisten nachzulaufen. Ich bin immer interessiert an dem "Warum?" und bin noch nie auf die Idee gekommen, diese Frage nicht zu stellen.
Ich verstehe übrigens gut, dass du schon gelegentlich mit "Gläubigen" an einander geraten bist, ich führe selbst regelmäßig Diskussionen mit völlig weltfremden "Gläubigen", die alles wörtlich nehmen, was irgendwo auf Papier geschrieben steht oder aus Rom kommt.
Und zu deiner Abschlussfrage: was macht es für einen Unterschied ob es "dieses Subjekt" gibt oder nicht, wenn einem der Glaube das Leben bereichert?




ljack

27.12.2007, 10:29 Uhr
P.S.: Was mich ganz grundsätzlich am Buch von Dawkins stört ist die Tatsache, dass er davon ausgeht dass religiöse Menschen nicht selbstständig denken können oder sonstwie zurückgeblieben sind. Seiner Ansicht nach ist nur der Atheismus "wahr", was ja letztendlich auch nur der Glaube ans Nicht-glauben ist.
Gut, das ist natürlich bewusst provokant von ihm geschrieben, ist ja nicht umsonst eine Streitschrift. Aber ob eine Streitschrift als Basis für eine vernünftige Diskussion taugt, sei mal dahingestellt...




Tice

27.12.2007, 10:31 Uhr
"Kindlich" bezieht sich auf Eltern-Kind Beziehung die die meisten Gläubigen haben. "Vater der du bist im Himmel..." ist eine klare Ausdrucksform in welchem Verhältnis der Gläubige zu seinem Gott steht. Insofern kindlich.

Die Frage "Warum?" stelle ich mir eben nicht. Sie wartet auf das "Darum!" setzt also schon in der Fragestellung eine Absicht (Gott) voraus.





ljack

27.12.2007, 10:50 Uhr
OK. Ich sehe den "Vater" eher als das alte Rollenbild, wo derjenige der die Dinge beeinflussen konnte eben der Herr des Hauses, also der Vater war. Aber gut möglich, dass sich etliche Leute tatsächlich entsprechend positionieren.

Und du fragst nicht nach dem "Warum?" Glaub ich nicht. Du wirst doch sicher auch wissen wollen, was wie funktioniert? Ich kann als Lehrer sowieso nicht anders, bin ich doch immer mit dem "Warum?" der Kinder konfrontiert.




ljack

27.12.2007, 10:51 Uhr
P.S.: Warum fällt ein Ball zu Boden?
Schwerkraft=>Darum! (Ganz ohne Gott )




Tice

27.12.2007, 10:56 Uhr
Bei der Gesamtheit, also Allem, dem Universum nach einem Darum zu fragen und eine Ursache-Wirkung-Kette fortsetzen zu wollen kann nicht funktionieren. Die Gottes-Lösung hängt nur ein Glied dran und hört dann auf zu fragen "Woher kommt Gott?".

Warum ist dann die Frage nach der Herkunft Gottes nicht erlaubt? Oder anders herum: Wenn Gott immer da war, warum dann nicht das Universum?




ljack

27.12.2007, 11:01 Uhr
Gute Fragen. Wobei mir neu wäre, dass nach nicht nach der Herkunft Gottes fragen dürfte.
Vielleicht ist "Gott" nur ein stellvertretendes Wort für alles, was wir (noch) nicht begreifen können?




Tice

27.12.2007, 11:06 Uhr
Ware das dann nicht schon eine Form des Atheismus? Kurz Pantheismus ()




ljack

27.12.2007, 11:41 Uhr
Schwer zu beantworten. Denn auch wenn Gott in der Natur ist, so ist die Natur noch lange nicht Gott. Außerdem wäre mir das dann schon wieder zu eng gefasst. Denn ich bin der Ansicht, dass es viel gibt, das wir noch nie gesehen haben und daher auch gar nicht begreifen können. Wer also sagt: "Was es gibt, ist Gott." macht es sich ein bissl leicht, finde ich.
Die Episode "Homer in 3D" zeigt das meiner Meinung nach sehr gut: für die Simpsons-Charaktere ist eine 3te Dimension unvorstellbar, wer weiß was es für Dimensionen gibt, von denen wir keine Vorstellung haben?
P.S.: Für mich ist die zentrale Aussage (zumindest der christlichen Religion) die Nächstenliebe. Wenn sich da alle dran halten würden, gäbe es keine Kriege etc.
Und da der Mensch ein sehr unvollkommenes Wesen ist, ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn es eine Institution gibt, die immer wieder an die grundlegende Vernunft erinnert. (Das Problem ist, dass diese Institution wieder aus Menschen besteht, die ebenfalls unvollkommen sind. Irgendwie ein Dilemma...)






ljack

27.12.2007, 11:45 Uhr
An dieser Stelle noch ein nettes Bild:






Yian

30.12.2007, 00:49 Uhr
Antwort zu: "Die Aussage: ... es gibt vernünftige und religiöse Menschen ... zeugt von der gleichen Intoleranz, die der Kirche immer vorgeworfen wird. Egal wie man zur Kirche steht, so ein Satz untergräbt nur die Seriosität desjenigen, der ihn verwendet."

Warum gleich so aufgeregt?!? Denk doch erst einmal drüber nach: Wie ich schon geschrieben habe stammt das Zitat von einem verzweifelten arabischen Gelehrten des Mittelalters, der mit ansehen musste, wie die kulturelle Führerschaft des arabischen Reiches mit der Erstarkung der Religion baden ging. Was man ja sehr schön bis heute beobachten kann. Umgekehrt begann der phänomenale Aufstieg Europas mit der langsamen Loslösung von der religiösen Herrschaft. Wobei ich einem absehbaren Einwand vorausgreifen will: Gewalt in Form von kriegerischen Auseinandersetzungen hat die Menschen zu *jeder* Zeit begleitet. Jedenfalls wurde seit der Erfindung der Buchdruckerkunst ausser den uralten Bibeltexten zunehmend mehr neues Wissen in Bücher gepresst, so dass vielen Menschen allmählich doch dämmert, dass *die Welt* nicht zwischen zwei schwarze Buchdeckel passt, so schön einfach das für viele auch wäre. Ich denke, irgendwie auf diesem gedanklichem Wege muss es zu dem besagten Zitat gekommen sein...





maidy

31.12.2007, 10:30 Uhr
Aus dem Artikel: "...kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen..."
Falsch. Wenn in dem ganzen Buch so vereinfacht wird, wie in dieser Zeile, scheint es mir nicht sehr lesenswert zu sein.




maidy

31.12.2007, 10:45 Uhr
Entschuldigt den Doppelpost.
"Stellen wir uns doch mit John Lennon mal eine Welt vor, in der es keine Religion gibt."
Eine Welt, in der Millionen von Menschen keine Arbeit haben, weil es weder Kirchen, noch Moscheen noch Tempel noch andere religioese Einrichtungen gibt.
Eine Welt, in der es keine ausgepraegte Kultur gaebe, keine sixt. Kapelle, kein Halleluja, keine Orgeln, keine Choere.
Eine Welt, in der sehr viel mehr Hilfsbeduerftige ohne Hilfe bleiben, denn die meisten solcher Organisationen weltweit werden ausschliesslich oder zum Grossteil von Kirchen finanziert.
Und schliesslich eine Welt, in der religioese Fragen unterdrueckt wuerden.
Wir (und ja, besonders Kirche, Islam haben dies gezeigt) haben uns bewiesen, dass der menschl. Weg Unterdrueckung oder Ergruendung einer Frage ist. Da religioese Fragen zentral sind und fast jeden Menschen in seinem Leben irgendwann beschaeftigt haben, waere es eine Welt in der jeder unterdrueckt wuerde. Und in einer Welt, in der es Unterdrueckte gibt, gibt es auch Unterdruecker. Die wuerden ihre Macht genauso ausnutzen wie Religionen.




Tice

31.12.2007, 10:48 Uhr
Ich denke in der Auflistung geht es darum aufzuzeigen was Religion (mit-) zu verantworten hat, und was im ehemaligen Jugoslawien geschehen ist hatte zu großen Teilen (sicher nicht gänzlich) religiöse Hintergründe.




Tice

31.12.2007, 11:02 Uhr
@ maidy: Wieso muss man jemanden anderes unterdrücken weil man anderer Meinung ist. Es geht um Aufklärung und nachdenken. Wer dann trotz (wie ich es sehe) logischer Argumente an einen personifizierten Gott glauben will zu dem man beten kann und der handelnd durch Wunder in die Welt eingreift, kann das doch dann weiterhin tun.

Unterdrückung haben Atheisten umgekehrt bis heute erfahren. Als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt und als Ungläubige und Heiden verfolgt.

Heute kann man in Saudi-Arabien nicht Staatsbürger werden wenn man kein Moslem ist. In weiten Teilen der USA hat man es wenn man sich als Atheist outet sehr schwer (einen Job zu bekommen, seine Kinder ins Schwimmteam zu bringen, ...).

Und Millionen arbeitslos? Waren die Millionen Menschen die für Mobilfunkunternehmen arbeiten vor 20 Jahren alle arbeitslos weil es das damals noch nicht gab?









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